Q&A zum GAV 23 

"Wieso habt ihr nicht für höhere Spesen gekämpft?! Wenigstens an die Teuerung müssten sie angepasst werden!" - Solche und ähnliche Fragen erhalten wir zum neuen GAV zahlreich. Hier findet ihr Antworten zu häufig gestellten Fragen nach Kategorien sortiert. 

Was passiert, wenn wir den GAV ablehnen?

Grundsätzlich behält der GAV15 seine Gültigkeit. Der GAV15 kann von beiden Parteien per 30. April 2023 mit einer Kündigungsfrist von 12 Monaten auf 30. April 2024 gekündigt werden. Bis zu diesem Zeitpunkt bleiben alle heute gültigen Rechte und Pflichten (z.B. die absolute Friedenspflicht) in Kraft. Arbeitskampfmassnahmen wären im Falle einer Kündigung des GAV15 frühestens im Mai 2024 möglich. Der GAV15 kann von beiden Parteien gekündigt werden, durch die kapers ausschliesslich nach einer Abstimmung durch die Mitglieder.

Ob es im Falle einer Ablehnung des GAV23 zu Nachverhandlungen kommen würde, ist zum heutigen Zeitpunkt ungewiss.

Ganz bestimmt stünden jedoch sämtliche Vor- und Nachteile des GAV23 zur Disposition. Eine Ablehnung ist keine Garantie für Verbesserungen. Wichtig ist uns an dieser Stelle zu erwähnen, dass wir bei einem Nein – im Vergleich zu den Pilot:innen – nicht in einem vertragslosen Zustand sein werden.

Sicher ist, dass die verhandelten Salärerhöhungen inklusive Inflationsausgleich (welcher auf den bereits erhöhten Salären basieren würde) nicht per 1.Januar 2023 aus- bzw. nachbezahlt würden.

 

Warum macht ihr so Werbung für den neuen GAV?

Ein GAV ist immer auch ein Kompromiss. Wir können verstehen, dass manche enttäuscht sind und sich mehr erhofft haben. Wir müssen aber immer bei einer realistischen Einschätzung bleiben, was in einem GAV möglich ist. Alle Verluste der letzten 40 Jahre in einem GAV zurückzuerhalten wäre zwar wünschenswert, ist aber leider nicht realistisch. Mit dem GAV23 konnten wir aber erstmals wieder einen Schritt in die richtige Richtung machen.

Der Vorstand der kapers ist überzeugt, dass dieses Vertragswerk eine gute Grundlage für die nächsten Jahre bildet und auf dieser weiter aufgebaut werden kann.

Wir sind immer ehrlich mit euch und wollen sowohl die Vor- als auch die Nachteile des GAV23 realistisch beleuchten. Euer Vertrauen in die Swiss ist erschüttert, wir wollen euch keineswegs täuschen. Nehmt euch bitte Zeit, den gesamten GAV23 zu lesen und kontaktiert uns bei allfälligen Fragen.

«Ich bin FCCM. Stimmt es, dass mir mit dem neuen GAV weniger Tage bezahlt werden?»

Einsatzperioden werden neuerdings in sich geschlossen abgerechnet. Aufgrund der veränderten CDR muss die Bezahllogik der FCCM angepasst werden. Einsatztage und die daraus resultierenden LocalNights (-1 Local Nights in der Abrechnung) ergeben dabei den auszuzahlenden Betrag. Simulationen im Planungssystem haben ergeben, dass in einer gesamthaften Betrachtung aus der neuen Abrechnungslogik keine finanziellen Einbussen für FCCM resultieren. Auf individueller Ebene kann es je nach Einsatz zu marginalen Abweichungen kommen (z. B. bei einem Tag SH früher 1.x, neu 2 Tage; JFK 5.12, neu 5.0).

«Wieso habt ihr nicht für höhere Spesen gekämpft?! Wenigstens an die Teuerung müssten sie angepasst werden!»

Die Spesen wurden im Rahmen der Verhandlungen des immer noch gültigen GAV15 gegen den damals neu geschaffenen 13. Monatslohn "eingetauscht". Mehr als eine Zweidrittels-Mehrheit der kapers-Mitglieder hat der Investition in den 13. Monatslohn damals zugestimmt. Der damalige Entscheid für den 13. Monatslohn hat sich finanziell für euch auch mehr als ausbezahlt - ausser für die 'Jungen', die ihn erst nach 5 Jahren bekommen. Jetzt ist es leider sehr schwierig, die Spesenreduktion von damals zurückzubekommen. Wir haben es in den Verhandlungen hartnäckig versucht.

Fakt ist, dass momentan nur in den USA, Kanada und Brasilien effektive Spesenverluste wegen der Inflation entstehen. An allen anderen Destinationen ist der Schweizer Franken gegenüber der Lokalwährung so erstarkt, dass sogar gewonnen wird. Hätte man also einen Teil aus der Verhandlungsmasse in die Spesen investiert, wäre man eventuell bei diesen drei Ländern auf eine Spesenerhöhung auf ca. CHF 3.15 gekommen.

Spesen zahlen im Gegensatz zu Löhnen nicht in eure Pensionskasse und in die AHV ein. 

 

"Warum bekommen die Kolleg:innen in der Salärtabelle 3 so viel mehr als ich in der Tabelle 2?"

Es ist uns an dieser Stelle wichtig zu erwähnen, dass alle CCM von Lohnerhöhungen profitieren und keine CCM-Kategorie zugunsten einer anderen weniger erhält. Dieses Ziel konnte erreicht werden. Die Swiss hat den Inflationsausgleich für alle Personalgruppen firmenweit auf 2% gedeckelt, weitere Anpassungen mussten über individuelle Lohnerhöhungen erfolgen. Lohnverhandlungen stellen grundsätzlich einen Kompromiss dar und folgen weder einem vordefinierten Geldbetrag, der zur Verfügung gestellt wird, noch einer einheitlichen Logik. Zu meinen, dass die Lohnerhöhungen in der Salärtabelle III über die Salärtabellen I & II finanziert werden, greift zu kurz. Das Flickwerk an bestehenden Salärtabellen stellte uns vor grosse Herausforderungen. Der Aufholbedarf in der Salärtabelle III war eindeutig am höchsten, nun hat eine Annäherung stattgefunden. Wenn ihr euch die Salärtabelle III einmal anschaut, werdet ihr sehen, dass diese im Gegensatz zu den Salärtabellen I und II bereits viel früher gedeckelt ist. Ausserdem erhalten die Kolleg:innen in der Salärtabelle III zum Teil deutlich weniger Ferientage. Diese Umstände wollen wir mit den höheren Lohnerhöhungen etwas entschärfen. Die Salärtabelle III ist grundsätzlich anders aufgebaut als die anderen beiden. Sie setzt sich aus Zulagen (z.B. für die Berufsprüfung, Sprach-, Spezialist:innen- sowie Instruktor:innenzulagen) und einem grundsätzlich tieferen Basissalär zusammen. Gleichzeitig gibt es in ebendieser pro Kategorie nur ein Salärband. Daraus erklärt sich die unterschiedliche finanzielle Berücksichtigung der Berufsprüfung. Dadurch kann jedoch in Einzelfällen der Lohn in der Salärtabelle III jenen der Salärtabelle II im gleichen Salärdienstjahr überschreiten. Hier gilt unter Berücksichtigung der individuellen Lebensumstände abzuwägen, ob sich ein Wechsel lohnt. Gerne unterstützen wir euch bei dieser Entscheidung. Ein einmaliges Wechselrecht in die Salärtabelle III besteht weiterhin.

Auch wenn die längst überfälligen Salärerhöhungen prozentual unterschiedlich hoch ausfallen, waren gerade die nun verhandelten Erhöhungen in den Salärtabellen I & II nicht einfach zu erkämpfen und sind alles andere als selbstverständlich.

 

"Die 4000 CHF kommen doch sowieso. Wieso verkauft ihr das als Errungenschaft?"

Nachdem im Jahr 2021 z.B. in Kloten die Mindestlohninitiative vom Volk abgelehnt wurde, stellen die CHF 4'000.- Basissalär eine wichtige Errungenschaft dar, welche unseren Beruf aufwertet. Die bürgerliche Mehrheit im Nationalrat zeigt kein Interesse daran, kantonale Mindestlöhne einzuführen und torpediert immer wieder die Sozialpartnerschaft. Es zeigt sich: In der Schweiz kann man sich in Sachen Mindestlohn nicht auf den Gesetzgeber verlassen. Auch bei der Swiss sehen wir im Moment keinen Grund, warum sie die Löhne von sich aus erhöhen sollte, da sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt zurzeit eher wieder entspannt.

 

«Wo bleibt mein 13. Monatslohn als M/C? Das Gewinnbeteiligungssystem erachte ich als zu unsicher.» 

Faktisch haben auch M/Cs den Betrag des 13. Monatslohns analog Berechnung für die F/As sicher: Es ist geregelt, dass das EBM nicht weniger ausschütten darf als der 13. Monatslohn der CCM. Das EBM kann allerdings mehr ausschütten.

Das bedeutet: das EBM ist kein Risiko, sondern die Chance, über den 13. Monatslohn hinaus viel mehr zu verdienen. Mit dem GAV23 neu bis zu 20% eures Bruttojahresgehalts, das sind mehr als 2 Monatslöhne.

Dies zahlt auch merklich in eure Pensionskasse und in die AHV ein und erhöht eure späteren Renten.

 

"Wieso weicht ihr die Alterserleichterungen wieder mit 4 Blöcken Reserve pro Jahr auf?

 

Die beiden Personalkategorien, welche am meisten alterserleichterte CCM haben, sind die FCGs und M/C INT. Entsprechend ist in den beiden Kategorien für die CCM welche noch Reserve machen, die Belastung durch Reserveblöcke sehr stark. Mit dieser Massnahme – übrigens ist es keine Reserve im klassischen Sinn, weil die Freitage danach garantiert sind – entsteht hoffentlich eine Entspannung dieser Situation.

Aus unserer Sicht handelt es sich nicht um eine Abschaffung oder Aufweichung der Alterserleichterungen, sondern um eine Veränderung, da man im Gegenzug zwei zusätzliche Ferientage pro Jahr bekommt.

Die Limitierung von maximal 5 Einsatztagen Shorthaul im Monat bleibt bestehen!

"Die Möglichkeit, bis 65 zu arbeiten ist völlig unattraktiv und entwürdigend. Warum habt ihr euch nicht dafür eingesetzt, dass man ganz «normal» weiterarbeiten kann?"

Die kapers hat sich selbstverständlich sehr für die Möglichkeit der Weiterbeschäftigung bis zum gesetzlichen Rentenalter bei gleichbleibendem Lohn, Erhalt von Rank und ohne Pensumseinschränkung eingesetzt. Es war leider nicht möglich, dies am Verhandlungstisch zu erreichen. Noch weniger war es möglich, die Überbrückungsrente wieder zurückzuholen. Die Versäumnisse der letzten 20 Jahre können wir leider nicht in einem einzigen GAV vollumfänglich berichtigen.

Wir mussten eine Lösung zur Weiterarbeit finden, ohne dass wir das Pensionsantrittsalter und damit das PK-Sparziel verändern. Die vorliegende Kompromisslösung ist definitiv als ein Etappenziel zu bewerten. Als Verbesserung zum Stand von heute hilft es denjenigen, die weiterarbeiten müssen aber eindeutig, dass dies nun bis 65 möglich ist.

«Kann ich einmal pro Monat einen kurzen Langstreckenflug haben und danach nur einen Tag frei?»

Nein, grundsätzlich ist das nicht möglich! Die einzige Ausnahme ist, wenn zwei Flüge in einem Monat preassigned sind (sichtbar um den 27. des Vor-Vor Monat), darf dies mit nur einem Tag frei geschehen. Was heisst das genau? Solltest du in einem Monat einen Flight Request haben und benötigst auch eine Einführung oder einen Check, darf die Planung zwischen diesen beiden Rotationen diese mit nur einem Tag frei planen. Es geht also nur bei Rotationen, welche ein vorgesehenes Training haben oder in Verbindung mit einer solchen Rotation und einem Flight Request etc. Dies gilt nur für das Trainee und nicht für die Person, welche die Einführung gibt. Die Gefahr, dass eine solche Kombination geplant wird, ist somit sehr, sehr klein.

"Unsere FDR waren und sind eine Errungenschaft der kapers. Wieso wollt ihr diese opfern?"

Die CDR sind noch nicht publiziert worden und entsprechen nicht denen der Pilot:innen. Sie sind grundsätzlich produktivitätsneutral im Vergleich zu jetzt, d.h. Layoverlänge und Freitage etc. bleiben gleich. Insbesondere PFD-Freitage sind bereits jetzt übervertraglich und werden vor jedem Sommer- und Winterflugplan neu verhandelt, dies wird auch mit dem GAV23 weiterhin stattfinden. Den neuen CDR liegt lediglich eine neue Logik zugrunde.

Warum stimmt kapers der Umstellung auf CDR zu? Fliegen wir jetzt wie die Piloten?

Der Hauptgrund, warum von FDR auf CDR gewechselt wird, ist der, dass unsere FDR von 2006 sind und diese noch Begriffsbestimmungen enthalten, die es so gar nicht mehr gibt. Dazu kommt, dass die EASA FTL, welche nach den SWISS FDR eingeführt wurden, einige Verschärfungen gebracht haben. Ein Beispiel sind die Restriktionen für Standby Duties, welche durch die EASA FTL massiv verschärft wurden. Ohne die EASA FTL und nur nach unseren FDR dürfte man aus einem SBY04 zum Beispiel noch auf einen HKG. Wir haben in den SWISS FDR also Duty Periods, die nach EASA FTL illegal sind. Weil aber immer das Restriktivere zur Handhabe kommt, haben wir mittlerweile einen Flickenteppich, der mit den noch dazugekommen Vereinbarungen so unübersichtlich geworden ist, dass einzig die Spezialisten der Einsatzkommission noch durchblicken.

Das ist der Hauptgrund, warum man sich auf komplett neue FTL oder eben neue CDR geeinigt hat. Der Begriff CDR wurde übrigens vom BAZL gefordert und muss so umgesetzt werden.

Die CDR haben nichts mit den CDR der Piloten zu tun! Es sind zwei komplett unterschiedliche Regulations, die bis auf den Namen nicht viel gemeinsam haben. Unsere Freitage und Layover bleiben gleich!

Die CDR sind eine Anpassung an die Begrifflichkeiten und Logik der EASA FTL. Damit können wir vieles einfach in Tabellen ablesen und brauchen keine komplizierten Formeln mehr, um Freitage etc. auszurechnen. Auch die aus Swissair-Zeiten stammende GEO Zeittabelle ist passé und Ost-West gibt jetzt wirklich mehr frei, und zwar in jedem Fall.

Das Freitagekonto wird es nicht mehr geben. SWISS kann also nicht mehr mit dem Optimizer jede Rotation so optimieren, dass sie abgerundet wird. Die CDR geben fixe Werte vor, die eingehalten werden müssen.

Am meisten werden uns aber die fixen Orts-Tage nützen. Durch diese weiss jedes CCM bei Plan-Veröffentlichung (welche schon am 18. sein wird), welche Tage im nächsten Monat zu 100 % frei sind und "ohne Wenn und Aber" im Plan stehen bleiben müssen. Dafür hat die kapers seit Swissair Zeiten stets gekämpft, wie auch dafür, dass Freitag nach einer Krankheitsabsenz stehen bleiben müssen. Diese beiden wichtigen Errungenschaften konnten wir in den neuen CDR erreichen.  Weiter gibt es neu 34 statt 32 Freitage pro 3 Monate, das macht mehr als eine Woche pro Jahr mehr frei.

Wir haben bei den Verhandlungen all die Punkte berücksichtigt, welche unsere Mitglieder im Laufe der Jahre gefordert haben. Viele Mitglieder wollten, dass man in einem Standby auch noch auf Langstrecke geschickt werden kann, wenn man am ersten Tag einen Kurzstreckeneinsatz erhalten hat. Dadurch entfällt zwar der freie Tag vor der Langstrecke, dafür beträgt der Minimum Rest vor Longhaul 16 Stunden. Wenn das CCM dies wünscht, darf der Minimum Rest auch kürzer sein. Allgemein kann das CCM in den CDR öfter selber entscheiden, ob es etwas akzeptieren will oder nicht. Damit habt ihr selbst die Möglichkeit zu priorisieren ob euch eure Rest Time oder möglichst grosse Flexibilität (zbsp. beim Tauschen) wichtiger sind. Wichtig: Nur ihr habt diese Flexibilität. SWISS braucht euer Einverständnis für diese Unterschreitungen.

Auf Kurzstrecke gibt es jetzt fixe Freitage. Bei Rotationen von mehr als 3 Tagen darf die Planung neu im Durchschnitt maximal 8:45h planen. Auch daran haben wir gedacht.

Wir von der Einsatzkommission und vom Verhandlungsteam sind der Meinung, dass mit den CDR vieles besser wird. Wir haben unzählige Situationen berücksichtigt und studiert und uns natürlich auch Gedanken darüber gemacht, mit welchen neuen Bestimmungen SWISS optimieren und das neue System ausnützen könnte. Wir sind zum Schluss gekommen, dass die positiven Neuerungen in den CDR die wenigen Änderungen, die evtl. als negativ empfunden werden könnten, um ein Vielfaches aufwiegen.

In Kürze erhaltet ihr eure Wahlunterlagen. Diese enthalten detaillierte Erklärungen zu den Änderungen und Beispielpläne. Wir empfehlen diese aufmerksam zu studieren. Solltet ihr dann noch Fragen haben, dürft ihr euch gerne bei uns melden.

 

"Die 7 fixen Freitage (Ortstage) werden es unmöglich machen, einen Flug abzutauschen. Und im Ausland habe ich nie frei - Vor allem nicht als M/C."

Diese Details sind noch nicht vollständig ausgearbeitet oder publiziert. Der Ortstag im Ausland zählt nicht zu den Minimumfreitagen (weiterhin mindestens 9)! Der Ortstag dient vielmehr als „Anker“ im Plan, um diesen zu stabilisieren. Ein Ortstag ist ein Tag, der nicht verschoben werden kann von der Swiss.

Rotationen mit Ortstag (z.B. in LAX oder SFO) können auch weiterhin gegen Rotationen ohne Ortstag (z.B. GRU) getauscht werden. Man verzichtet damit aber freiwillig auf den Ortstag.